Moving pictures.

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Gegenteile (2).

Offen und Schüchtern.

Arm und Reich.

Patriarchalische Strukturen und gelebte Gleichberechtigung.

 Über die Gegenteile unserer Welt.

Und etwas, was überall gleich nervt.

 

(Teil 2)

 

 

(Die Fotos stammen alle von den Lofoten)

Danke an Peter für ein paar der Fotos!

 

Kalt und Warm. Im letzten Blogeintrag sprach ich von Temperatur und Klima Unterschieden. Diese haben vielleicht auch einen Einfluss auf die Mentalität der Menschen? Bekanntlich sind die Menschen des Südens offener und lachen mehr. Denken wir nur an Italiener, Spanier und Franzosen. Die Nordlichter etwas verschlossener. Auch ich habe diese Erfahrung gemacht. Ich kam aus Kalifornien nach Norwegen geflogen, war vorher in Guatemala und Mexiko. Und die Unterschiede könnten wohl nicht krasser sein. In der USA kommt man sowieso leichter mit Fremden ins Gespräch. Ein 'How ist it going?' liegt jedem auf den Lippen. Dort sprach uns so gut wie jeder auf die beladenen Räder an. Vor allem in Städten, wenn das Fahrrad neben einem stand wurde man immer in Gespräche verwickelt. Wo kommst du her, wo geht es hin, wieviele Kilometer, wo schlaft ihr etc. Manchmal war es fast schon nervig. Zu dritt unterwegs auf den Rädern lachten wir uns manchmal gegenseitig an, zwinkerten uns zu und gaben Signale: 'Du bist dran mit Antworten und zur Rede stehen haha'. Teilweise wollten wir einfach nur in Ruhe essen, kamen aber nicht dazu. Oder einfach mal im Cafe abhängen und das WIFI nutzen. In Mexiko, speziell auf der Baja California, wurden wir angehupt. Uns wurde so oft aus den Autos zugewunken, dass ich beim hochwärts fahren kaum meinen Lenker halten konnte, da ich stets versuchte zurück zu winken. Auch dort wurden wir ständig angesprochen. Sogar in den gualtemaltekischen Maya Dörfern, wo die Menschen sonst sehr schüchtern waren, lachten mich vor allem Frauen an, sehr zur Enttäuschung meines damaligen Reisepartners Kieran. Er bekam kein Lächeln von weiblicher Seite. Dies wäre aus deren kultureller Sicht unangebracht gewesen. Ganz zu schweigen von den Kindern in den kleinen Dörfern Mittelamerikas. 'Gringo' und 'Gringa' schrien sie laut und rannten uns entgegen. Ursprünglich mal eher ein unschönes Wort für die 'weißen Amerikaner' wird es heute aber meist nicht mehr im negativen Kontext benutzt. Die Kinder blieben am Straßenrand stehen, streckten uns für eine HighFive ihre Hände entgegen und strahlten um die Wette. Kleine Jungen, vielleicht 8-12 Jahre alt trugen kiloschweres Holz auf dem Rücken die Berge hinab, ihnen rannte der Schweiß von der Stirn, aber sie freuten sich tierisch, wenn sie uns sahen. Die Mädchen balancierten Wasserkrüge auf ihren Köpfen und sahen uns mit großen Augen an. Nicht selten bekamen wir Einladungen von Menschen, denen wir zufällig über den Weg liefen. Ob wir einen Schlafplatz bräuchten? Oder nur unsere Frage nach der nächst gelegenen Campingmöglichkeit zog eine Einladung nach sich.

Hier ist das etwas anders. Wenn ich mir unbekannte Menschen anlache erkenne ich für eine Viertel- oder Halbesekunde Überraschung in den Augen und im Ausdruck. Erschrockenheit. Ungewohntheit. Dann kommt vielleicht ein Lächeln zurück. Nicht immer. Manchmal wird scheu oder verwirrt weg geschaut. Selten sind sie es, die zuerst lachen. Obwohl ich oft meine Neugierde in den Blicken zu erkennen. Ich spüre wie sie schauen, aber sobald ich offen zurück gucke wird der Kopf weg gedreht. Norweger und Schweden erscheinen verschlossener und schüchtern. Radreisende sind hier natürlich auch nichts besonderes. Gerade an der norwegischen Küste gibts Hunderte von uns. Aber es geht ja auch nicht ums 'besonders sein'. Auf dem Pacific Coast Trail der USA sind Radreisende keine Seltenheit und dennoch gab es diese kleinen Begegnungen, die kurzen Gespräche, den Daumen die man gezeigt bekommt, wenn man die Ansteigungen hoch fährt. Das Lachen auf den Gesichtern. Das motiviert, das macht Spaß und erfreut mich. Ich bin ein offener Mensch, interessiert an Begegnungen und gehe gerne lachend durch die Welt. Ich glaube die Menschen hier brauchen etwas mehr Zeit zum Auftauen. Gibt man ihnen etwas Zeit, sind die Menschen hier warmherzig und offen. Liebe und hilfsbereite Menschen. Ich bin mal wieder dankbar für Netzwerke wie Couchsurfing und Warmshowers. Sie erleichtern das in Kontakt Treten mit Menschen, sodass ich nicht komplett alleine bin.

 

 

Wo es kein Winken und kein Grüßen auf der Straße gibt, da gibt es aber auch kein Pfeifen. Keine Kusshände, die mir zugeworfen werden. Keine internationalen und sehr offensichtliche Gesten, die ich versuche zu übersehen. Keine Kommentare, die ich mit meinen wenigen Spanischkenntnissen zum Glück nicht verstehe. Im Nachhinein bin ich froh, durch Mexiko, Belize und Guatemala nicht alleine gereist zu sein. Denn es war teilweise doch sehr nervig. Die blonden Haare machten die Sache wohl auch nicht leichter. Selbst wenn Kieran oder Jesse einen Meter vor oder hinter mir mit ihrem Rad fuhren, flogen Luftküsse zu mir. Als ich mal wieder krank und so geschwächt war, dass ich nicht mehr Laufen konnte und per Taxi zum Krankenhaus fuhr, versuchte mich der Taxifahrer zu überreden seinen Sohn zu heiraten. Zeigte mir immer wieder sein Foto. So etwas passierte nicht nur einmal. Ich nahm es mit Humor. Abgesehen von Ausnahmen in der Bildungsschicht, üben Frauen in Mittelamerika noch typisch traditionelle Rollen aus. Sie stehen kochend am Herd und haben sich um die Kinder zu kümmern. Die Frau setzt sich als letzte an den Tisch während die anderen schon fast fertig sind mit Essen. Ich wurde oft gefragt, warum ich denn mit fast 30 noch nicht verheiratet wäre? Mitleidig wurde ich angeschaut.

Hier in Skandinavien spüre ich eine Gleichberechtigung in der Gesellschaft. Ich glaube sie sogar stärker als in Deutschland wahrzunehmen. Aber vielleicht sind das auch die Statistiken, die in meinem Kopf umher spuken und mich dies glauben machen. Ich bekomme nicht ständig die Frage 'Du machst als Frau eine Radreise?' zu hören. 'Ihr zwei Frauen radelt alleine?' Wie oft habe ich, bzw. wir solche Kommentare gehört. In der USA wie auch in Mexiko. Hier in Norwegen und Schweden hörte das auf. Zum Glück.

 

 

Ist es nicht auch komisch, dass gerade in den armen Ländern die Gastfreundlichkeit und die Bereitschaft zu teilen meist sehr hoch ist? Ich möchte nicht sagen, dass wir in den entwickelten Industrienationen nicht gastfreundlich sind. Aber meine Erfahrungen decken sich mit denen anderer. In vielen armen Ländern erscheint es intensiver. Vielleicht wirkt es aber auch nur so. Von einer Person eingeladen zu werden, die selbst wenig hat, fühlt sich eben krasser an.

In Mexiko und Mittelamerika durften wir in Häusern und Hütten nächtigen, die kein fließend Wasser hatten. Anstatt sich unter eine Dusche zu stellen, haben wir uns mit Plastikbechern aus der Regentonne nass gemacht. Gekocht wurde auf befeuerten Herden. Teilen ist ein wesentlicher Part des Lebens und der Kultur. Dies sind nur Beispiele.

Vor allem in Norwegen hingegen ist der Wohlstand überall ersichtlich. Sei es in der allgemeinen Infrastruktur (zb. werden kleinste Dörfer durch einen vier kilometerlangem Tunnel mit der Hauptstraße verbunden) oder auch in der privaten Sphäre. Fast jeder besitzt eine (oder auch zwei) Hütten bzw. Wochenendhäuser in der Natur. Was war es denn nun, dass Norwegen so reich machte? Die Fischerei oder das Öl? Auf Nachfragen bekam ich unterschiedliche Antworten.

 

Auch wenn ich durch meine dreimonatige Pause in Kalifornien glaubte den Kultuschock bereits verarbeitet zu haben, erwischte er mich dennoch. Über ein halbes Jahr verbrachte ich in Mexiko, Belize und Guatemala. Diese Zeit prägte mich sehr. Daher habe ich wohl all diese Unterschiede sehr stark wahr genommen.

 

Eine Sache bleibt überall gleich. Egal ob in der USA, Mexiko oder hier in Schweden. Ihr Gesumme ist keine Musik in meinen Ohren. Fairerweise muss man sagen, dass sie hier zumindest nicht gefährlich sind. Kein Malaria, kein Dengue und kein Zika kann übertragen werden. Aber sie sind überall gleich nervig: Mücken.

 

 

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Gegenteile (1).

Warm und Kalt.

Nass und Trocken.

Genuss und Kampf.

Gemeinsam und Alleine.

Über die Unterschiede dieser Welt.

 

(weitere folgen in Teil 2)

 

 

Es ist zum verrückt werden. Es regnet. Es regnet und es hört einfach nicht auf. Es ist bereits der vierte Tag mit Dauerregen. Es herrschen 6°C. Ich packe mein Zelt nass aus und nass wieder ein, hoffe dass es diesen Wassermassen halbwegs stand hält. Ein paar Tropfen hier und da kommen durch. Nachts wache ich auf und checke ständig, ob es durchlässiger wird und mein Daunenschlafsack womöglich etwas abbekommt. Ich koche und esse im Regen. Meine Muskeln sind stets angespannt, da ich mich nicht angenehm warm fühle. Alles ist leicht feucht.

Ich befinde mich gerade auf einer abgelegeneren Route und ärgere mich über diese Entscheidung. Denn ich habe somit nicht mal die Möglichkeit irgendwo einzukehren oder mich in eine Bushaltestelle zu setzen. Durch den vielen Regen ist es mir kaum möglich ordentliche Pausen zu machen. Ich kann nicht lange stoppen, da ich sonst schnell kalt werde. So halte ich nur kurz um mir eine Banane in den Mund zu schieben. Ich komme der schwedischen Grenze näher und freue mich anfangs über den Pass auf ein Plateau, der nun kommt. Denn somit werde ich durch den Anstieg endlich mal wieder richtig warm. Gleichzeitig schwitzt man aber auch ordentlich unter der ganzen Regenbekleidung. Hörte es also mal kurzzeitig auf zu regnen, hielt ich sofort an und zog die Regenjacke, -hose und die Schuh-Überzieher aus. Fünf Minuten später fing es wieder an. Also wieder stoppen, Regensachen anziehen. Dieses Spiel spielte ich mehrmals bis ich irgendwann anfing laut zu fluchen und zu brüllen. Der Frust musste raus. Und ich begann mich zu fragen wo um aller Herrgotts Willen soviel Wasser herkommt.

Meine Reise führte mich durch trockenste Regionen: Kalifornien und die Baja California (Halbinsel Mexikos). Dort herrschte das absolute Gegenteil. Die Sonne brannte auf uns hinab und nicht selten wünschte ich mir Wolken. Die Hitze war teils unerträglich und ich frage mich heute, wie wir das überhaupt geschafft haben. Die vorherrschenden Farben der Landschaft sind Gelb- und Brauntöne, nur einige wenige trockene grüne Areale sind zu finden. Die Menschen hoffen auf Regen. Kriegen ihn nur selten. Stattdessen scheint die Sonnen ununterbrochen. Eine Frau, bei welcher wir mittels Warmshowers in Mexiko waren, plante eine längere Radreise. Sie wolte im März oder April in Norwegen starten und Europa bereisen. Statt eines ganzen Kochers wollte sie nur einen Tauchsieder mitnehmen, den sie mittels einer kleinen Solarzelle betreiben wollte. Eine schöne Idee, wie ich fand. Aber absolut nicht umsetzbar. Zeigt aber, wie unterschiedlich unser Empfinden für Normalität ist.

Hier wünsche ich mir nichts sehnlicher als die Sonne und ein bisschen Wärme. Die ersten zwei Tage Regen waren noch aushaltbar, aber dann sank meine Laune stündlich. Das hatte nichts mehr mit Genuss zu tun. Nun gut, es war von Anfang an klar, dass eine solche Reise nicht nur Genuss ist. Aber wie immer im Leben ist das im Geiste leichter zu durchleben. Die nasse Realität sah anders aus. Ich kam in meinen 'Durchhalte'-Modus und redete mir ein, dass der Regen doch irgendwann aufhören muss. Aber nach vier Tagen befand sich meine Laune im Keller und ich spielte mit dem Gedanken mich irgendwohin in den Bus zu setzen. Warum musste ich auch unbedingt nach Norwegen?

 

 

Weil die Natur atemberaubend schön ist. Deswegen musste ich nach Norwegen. In Bodø hatte ich mich schweren Herzens von Rebecka verabschiedet und nahm die Fähre auf die Lofoten. Dort verbrachte ich nur eine Nacht alleine bis am nächsten Abend Peter zu mir stieß. Ich lernte Peter vor sieben Jahren kennen. Er war mein Couchsurfing Host in Stockholm. Nun erkundeten wir die Lofoten gemeinsam für über zehn Tage.

Die Lofoten. Wie kann man die in Worte fassen? Gar nicht. Ich finde auch nicht unbedingt, dass man die per Rad befahren muss. Denn man kommt nicht vorwärts. Zuviele Wanderungen, die gemacht werden wollen, zuviele Pausen zum Genießen, zuviele Aussichten zum Bestaunen. Ein Paradies zum Wandern, Kayaken und Klettern. Unbeschreiblich. Ich kann nur die Bilder sprechen lassen.

 

 

Nach diesen Tagen auf den Lofoten mit Peter war ich dann alleine. Das erste Mal so richtig alleine seit langer Zeit. Das war der Zeitpunkt, wo der Dauerregen begann. Ebenso Gegenwind. Wunderbares Timing. Ich hatte etwas Bedenken, wie es sich für mich anfühlen würde. Da ich doch ein sehr sozialer Mensch bin, gute Gesellschaft, interessante Gespräche und vor allem gemeinsames Lachen sehr zu schätzen weiß. Aber es war dann besser als ich dachte. Wenn nicht dieser Regen gewesen wäre. Ich hoffte auf liebenswerte Engel, diese kleinen Wunder die manchmal geschehen. Auf Leute, die mich auf ein heißes Getränk zu sich bitten oder einfach nur nette Begegnungen, die mich aufmuntern würden. Auf meiner bisherigen Reise ergab sich sowas immer irgendwie. Aber hier zogen nur Campervans an mir vorbei und ich erntete mehrere verstörte Blicke, frei nach dem Motto, wieso fährt sie denn bei dem Regen?

Dann die Rettung: ich konnte mich für ein paar Tage in einer WG ausruhen. Drei liebe junge Menschen, die in einem Ort an der schwedischen Grenze wohnen, der im Sommer 36 Einwohner hat. Ich genieße es nicht alleine zu sein und zu quatschen. Ich liebe Couchsurfing und Warmshowers. Es ist so toll verschiedene Menschen kennenzulernen. Ihre Ansichten, ihre Einsichten in ihr Leben und Arbeit, ihre Region wie sie sie wahrnehmen, neue Dinge kennenlernen und ausprobieren. In Bodø bekochen uns zwei syrische Brüder mit dem leckersten syrischen Essen und ich nehme mir vor ihre Rezepte auch Zuhause zu probieren. Ein Couchsurfing Host auf den Lofoten nimmt uns mit zum Angeln. Nach nur 10 Sekunden hat Peter einen Kabeljau am Haken. Ich übertreibe nicht mit der Zeit. Nachdem wir in den nächsten zwanzig Minuten 'nur' noch drei weitere Fische hatten, wollte unser Host die Stelle wechseln. Zu wenig Fische hier, meint er.

 

Danke an Peter für einige der Bilder!

 

 

... to be continued. Teil (2) stelle ich in ein paar Tagen online :)

 

Ansonsten habe ich jetzt nach langem Überlegen und Für und Wider einen Support-Button eingerichtet. Es kostete mich einiges an Überwindung, da ich dies ursprünglich nie machen wollte. Aber da nun schon alleine die Betreibung des Blogs 90 € jährlich kosten, könnt ihr mich mit einer kleinen Spende dabei unterstützen. Voraus gesetzt, ihr lest das hier gerne ;)

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Die Menschen des Nordens.

Was ist typisch für deine Heimat?

Diese Frage stellte ich in fast allen Ländern, die ich mich dem Fahrrad bereiste.

Ich bekam viele verschiedene Antworten für die jeweiligen Nationen und Regionen.

Auch hier in Norwegen fragte ich die Leute, denen ich begegnete.

 

 

'Die Natur ist das typischste für Norwegen' war Antwort Nummer eins. Durchaus berechtigt. Die Landschaft ist einzigartig, unberührt und atemberaubend (Wartet nur auf die Bilder von den Lofoten, auf denen ich mich gerade befinde). Wenn sich die Sonne blicken lässt, erscheint alles wie in einem Märchen. Man könnte meinen, dass Riesen und Trolle die vielen Felse und zerklüfteten Berge bewohnen. Zwischen den vielen Blumen schwirren die Feen und verzaubern dich. Es ist ein Traum eines jeden Campers. Wir fanden die tollsten Spots mit wahnsinns Ausblicken.

 

 

Tatsächlich wissen die Norweger diese Schönheit auch zu schätzen. Die meisten Leute hier sind total Outdoor begeistert. In jeder noch so kleinen Stadt gibt es einen Outdoorladen und dementsprechende Kleidung ist absolut alltagstauglich und wird allgmein getragen. Gut - der Regen tut hier sein übriges. Eine vertrauensvolle Regenjacke und -hose ist ein absolutes Muss. So zählte auch das Wort Outdoor zu meinen Antworten, die ich bekam.

 

Eine sehr interessante Äußerung war die eines Courchsurfing Hosts: 'Social Anxiety'. Soziale Beklemmung. Direkt von der USA kommend war da tatsächlich ein Unterschied zu spüren. Dort ist es völlig normal mit Leuten mal ein kurzes Schwätzchen zu halten und offen lachend durch die Welt zu gehen. Als ich das in Trondheim tat, wurde ich angeschaut, als wenn ich vom Mars käme. Die Menschen im Norden sind etwas zurückhaltender. Die Antwort passte ebenso hervorragend zu einem Buch, welches ich in Trondheim las. 'The Social Guidebook to Norway' versucht mithilfe lustiger Illustrationen das soziale Leben und Interaktionen der Norweger zu erklären. Der Autor bringt es hier sehr schön auf den Punkt ;) Ein weiteres Beispiel ist dieses:

"Ich fragte einen Norweger, was ein guter Freund für ihn wäre. Der Norweger war eine Weile ruhig und sagte schließlich: Ein guter Freund ist jemand, mit dem ich alleine in der Stille im Raum sitzen kann und mich dabei wohl fühle."

[Frei übersetzt und zitiert von der Website des Autors]

 

 

Wenn man so über die vielen Inseln entlang der Küste fährt, wird mir bewusst, wie isoliert die Menschen hier leben. Die ewig hellen und nicht endenden Sommernächte bringen ebenso harte und dunkle Wintermonate mit sich. Ich frage mich, wie man es dann hier aushalten kann. Was macht man den ganzen Tag wenn es für nur 4 Stunden am Tag dämmert? Eine gewisse Isolation ist demnach wohl ebenso typisch und gehörte zu meinen Antworten.

 

Warum aber nun die Norweger so gerne das Licht anlassen, ist mir nicht klar. Einer liebe Finnin namens Mikaela, bei welcher wir 'courchsurfen' durften, fand, dass das super typisch wäre und ich gebe ihr Recht. Wir waren zwar nicht bei vielen Leuten hier, aber bei denen wo wir waren, brannte fast überall und während des ganzen Tages Licht im Flur, Bad usw. Mikaela arbeitet als eine Art Kranken- und Versorgungsschwester und als sie bei einer Patientin den Lichtschalter ausschaltete, sagte diese zu ihr, sie solle es doch bitte anlassen, denn sie würde das Licht später noch brauchen.

 

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Das Wörtchen 'Wenn'.

Warum eine Schlafmaske wichtig sein kann.

Über Regen. Viel Regen.

Und atemberaubende Natur.

 

 

Es sind 11°C. Ich sitze auf dem Rad und der Regen peitscht mir ins Gesicht. Der Wind lässt alles noch kälter erscheinen. Was geht mir durch den Kopf? Eine alte Werbung für eine Handcreme... Man sieht Fischer auf einem typischen Holzkahn, die Wellen spülen ihnen Wasser auf die Hände und alles wirkt rau. Der Mann sagt so etwas in der Art wie: "Wir in Norwegen wissen was eine gute Handcreme ausmacht. Kaufen Sie die Handcreme mit der norwegischen Formel." Witzigerweise habe ich tatsächlich eine unglaublich trockene und rissige Haut an den Händen. Aha, ergibt plötzlich Sinn die Werbung.

 

Norwegen. Eine atemberaubende Szenerie. Noch schneebedeckte Berge formen die unglaublichsten Gipfel, welche sich widerrum mit wellenartigen Felsformationen abwechseln. Schroffheit vs. Weichheit. Zwischendrin liegen Fjorde, Seen, Hügellandschaften und Moosfelder. Immer wieder Wälder. Nicht zu vergessen die skandinavischen Holzhäuser in den typischen Farben wie Faluröd (rot) oder gelb. Überall schießen kleine und große Wassermassen die Berge hinab. Elche und Rentiere kreuzen unsere Wege und ich kann mich nicht satt sehen an den Wildwiesen, die überall sind. Gelbe Butterblumen sowie weiße und violette Farbkleckse bilden einen wunderschönen Gesamtanblick. Es wäre einfach unglaublich schön. WENN das Wörtchen 'WENN' nicht wär'.

 

 

"WENN das Wörtchen 'WENN' nicht wär' dann wär ein jeder Millionär". WENN es nicht soviel regnen würde, dann hätten wir diese Landschaft viel mehr genießen können. Denn die Regenwolken hängen tief. So tief, dass man die Bergketten, Fjorde und alles andere kaum sehen kann. Wenn es nicht soviel regnen würde, dann hätten wir in den vielen Seen deutlich mehr baden gehen können. Wenn es nicht soviel regnen würde, dann hätte ich nicht verzweifelt eine neue Unterlegplane fürs Zelt sowie Imprägnierungsspray kaufen müssen. Mein Startpunkt in Trondheim zeigte sich noch von seiner schönsten sonnigen Seite, 14 Tage später haben wir folgende Statistik: Von 10 Fahrtagen hatten wir acht Regentage, einen gemischten und einen Tag Sonne. An diesem einen Tag Sonne habe ich soviele Fotos geschossen wie an allen anderen zusammen. Die gibts dann demnächst zu sehen.

Zum Glück radele ich nicht alleine. Rebecka hatte in einer Facebook Gruppe geschrieben und nach Mitfahrerinnen gesucht. Sie wollte nach Bodø fahren. Wir trafen uns und verbrachten die letzten 14 Tage gemeinsam lachend auf dem Rad, trotz Regen. Ich weiß nicht, ob ich alleine das Durchhaltevermögen gehabt hätte diesen Wassermassen zu trotzen.

 

 

Abgesehen vom Regen eignet sich diese Strecke hervorragend fürs Radreisen. Es sind ungefähr 750 fahrbare Kilometer zwischen Trondheim und Bodø. Dazu kommen etliche Fähren die man nehmen muss, wenn man die Route entlang der Küste wählt. Willkommene Möglichkeiten um zu trocknen. Der Verkehr ist minimal und besteht hauptsächlich aus Campervans. Die Hälfte davon kommen aus Deutschland. Rebecka brachte den sehr positiven Gedanken an, dass wir immerhin denen ein gutes Gefühl geben während des vielen Regens. Sie sehen uns im kalten Regen radeln und wissen dann hoffentlich ihr warmes und komfortables Wohnmobil zu schätzen. Zwei Wochen haben wir für die Strecke gebraucht. Es gibt zwar viele Campgrounds, aber mir persönlich ist nicht klar, warum man für diese zahlen sollte. Das Wildcampen in Skandinavien ist absolut einfach und durch das Jedermannsrecht fast überall erlaubt. Man muss nicht mal großartig dafür suchen, man stoppt einfach und schlägt sein Zelt auf ;) Wenn man ein bisschen sucht und vielleicht Hundert Meter schieben oder Gepäck Tragen in Kauf nimmt, findet man unfassbar schöne Spots mit atemberaubender Aussicht inklusive See oder Fluss zum Waschen. Alternativ konnten wir sogar zweimal Hütten finden, die alt und verlassen oder frei zugänglich waren. Somit hatten wir ein Dach über dem Kopf und mal keinen Regen beim Kochen. Zwischendurch konnten wir bei ein paar Couchsurfing Hosts Trocknen und Entspannen. Warmshowers funktioniert hier irgendwie nicht so gut.

 

 

Absolut notwendig hier? Regenausrüstung und Schlafmasken. Vielleicht auch noch Ohrenstöpsel. Ich frage mich nämlich wann die Vögel hier schlafen. Scheinbar nicht nachts. Es wird nicht dunkel zu dieser Jahreszeit und ab einem gewissem Breitengrad geht auch die Sonne nicht mehr unter. Dementsprechend musste ich mir eine Schlafmaske kaufen, da ein Schal oder der sonst so praktische Buff nicht genug abdunkeln. Ebenso erwache ich manchmal mitten in der Nacht, höre die Vögel zwitschern und denke durch die Helligkeit, dass es bestimmt um acht Uhr morgens sein muss. Dann schaue ich auf die Uhr und merke, dass ich gerade mal drei Stunden geschlafen habe. Die ständige Helligkeit macht den Tag natürlich ewig lang, so muss ich nicht mehr überlegen wann man am besten sein Zelt aufschlägt um noch genug Zeit zu haben um zu kochen.

Jetzt genießen wir noch ein paar Tage Ruhe und wollen saunieren, bevor es für mich dann auf die Lofoten weiter geht. Mehr Fotos und welche Antworten ich auf die Frage "Was ist typisch für Norwegen?" bekam gibts demnächst.

 

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